Ein nettes Interview bei gulli mit einem Mitglied des BAG Kritischer PolizistInnen. Part 1 ist für die Tonne, Part 2 allerdings sehr zu empfehlen (Part 3 hab ich noch nicht gelesen), ausser es wächst einem direkt Schaum vor dem Mund, wenn man Demokraten demokratische Lösungsansätze formulieren sieht. Wenn man das abstrahiert, ist es nämlich recht interessant.
Und das ein Bulle mal Gewalt gegen Bullen kleinredet und dafür die Gewalt seiner Kolleg_innen hervorhebt, ist auch eher selten:

Oder nehmen Sie die von mir angeführten Beispiele: Versammlungen, also Demonstrationen, oder SEK-Einsätze. – Wollen wir noch mehr Gerichtsurteile der beschriebenen Art sammeln? Gerade aktuell wird mit den Aktionen von Bürgern gegen das Hamburger Polizeigebäude im Schanzenviertel, bei dem Streifenwagen brannten, Steine gegen Polizeibeamte flogen, „locker“ von Mordversuchen schwadroniert.

Versuchter Mord? – Mit Verlaub, ich arbeitete in einer Mordkommission: Die Grenze zum versuchten Mord könnte eher überschritten sein, wenn für den Nahkampf geschulte Beamte mit aller Gewalt einen Schlagstock ins Gesicht oder auf den Hinterkopf schlagen, übermotivierte Uniformträger Menschen bei willkürlichen Festnahmen mit aller Wucht den Kopf auf den Asphalt schlagen. Oder was ist mit dem doppelten Schädelbasisbruch einer flüchtenden Demonstrantin, weil sie von hinten den Schlagstock über den Kopf gezogen bekam? Tod oder Behinderung dürfen nicht einfach in Kauf genommen werden. Kürzlich erhielt ein Polizeiopfer 100.000 Euro Schmerzensgeld. Er ist für immer querschnittsgelähmt.


Theo Zwanziger, seines Zeichens Präsident des deutschen Fußballbundes, sieht sich bemüßigt zum Thema „Homophobie im Fußball“ ein wenig was zu erzählen. Und was kommt dabei raus? Fast richtig. Nicht nur Homophobie, auch noch Rassismus:

Das könne auch deshalb passieren, weil gerade in der Bundesliga viele Spieler aus Ländern unter Vertrag stehen, „in denen das Thema kritischer gesehen wird als bei uns“.

Wer kennt ihn nicht, den toleranten Westen, und demgegenüber die Barbarenhorden von sonstwoher. Vllt. meinte er aber auch einfach nur Frankreich und insbesondere seinen dortigen Kollegen Jean-Pierre Escalettes:

Der Präsident des französischen Fußballverbands Jean-Pierre Escalettes wird darin auf die französische Charta gegen Homophobie im Fußball angesprochen. Die will er nicht unterzeichnen, „weil damit einer Sache Aufmerksamkeit zuteil wird, die zum Glück nicht weit verbreitet ist“.

Aber alles halb so wild, denn da ist man sich einig: Homosexuelle im Fußball sind sowieso eine Randerscheinung, denn:

„Ein jahrelanges Versteckspiel“ raube den Spielern letztlich die Kraft, die sie brauchen, um sich unter den Besten der Szene zu bewähren. Als „negativen Ausleseprozess“ bezeichnete Zwanziger das.


Sich gegenseitig dissen ist ja quasi Szenesport innerhalb der radikalen Linken; aus Langeweile bin ich heute auf zwei ältere Artikel gestoßen, in welchen sich mehr oder minder kritisch mit der (damaligen) antifaschistischen aktion hannover [aah] „auseinandergesetzt“ wird. Die entsprechenden Textstellen poste ich deshalb mal, angefangen mit einem Auszug aus einem Text der mittlerweile aufgelösten Gruppe Bad Weather aus Hamburg, erschienen in der Phase 2.14 im Zuge der dortigen Antifa-Debatte:

Die Parallelen zum NS-Arbeits- und Wohlfahrtsstaat sind sowohl im Oldschool-Postnationalsozialismus als auch in seiner modernisierten Form so evident, dass es sich für antifaschistische Linke eigentlich verbieten sollte, den postnazistischen Sozialpakt und seine ideologische Unterfütterung zu verteidigen. Eine Antifagruppe aus Hannover schreibt: „Es ist zynisch und menschenverachtend, bei einer offiziellen Arbeitslosenzahl von 4,7 Millionen und 120.000 fehlender Ausbildungsplätze so zu tun, als müssten Arbeitslose nur besser motiviert, das heißt sanktioniert werden, um das Problem der Arbeitslosigkeit zu lösen“. Wir waren, gelinde gesagt, erstaunt darüber, dass sich Antifaschisten inzwischen den Kopf über die Lösung des „Problems der Arbeitslosigkeit“ zerbrechen. Dass die Gruppe weiter schreibt, „[d]as Wörtchen .Volk. beinhaltet für uns, die wir in Deutschland leben, den Stallgeruch des Nationalsozialismus“, hindert sie nicht, einige Tage später auf einem Antinaziflugblatt den Nazis allen ernstes „soziale Volksverhetzung“ vorzuwerfen. Engagement in der Hartz-IV-Bewegung scheint kein leichter 1-Euro-Job zu sein, zu schnell kann man den Kopf verlieren – auch wenn man das Wort antifaschistisch im Namen trägt. Festzuhalten bleibt, dass selbst ohne „Sozialpartnerschaft“ die ideologischen Standards der postnationalsozialistischen Gesellschaft bestehen bleiben.

Unser aller Lieblingszentralorgan der antideutschen Bewegung, die Bahamas, hat sich ebenfalls mal rangemacht:

Alles fing am 04.03.2003 an. Damals „fand auf dem zentralen Platz in Hannover, dem Kröpcke, eine Agit Prop-Aktion gegen Sozialabbau, Hartz und Kapitalismus statt“, schreibt „eine aus der antifa aktion hannover“ bei Indymedia. „Mit einem Spiel, an dem sich die PassantInnen beteiligen konnten, dass wie ein ‚Spiel des Lebens‘ aufgebaut war, wurden Inhalte gegen die Hartz-Pläne, Sozialabbau und repressiven Arbeitswahn vermittelt. Das Spiel ist so aufgebaut, dass schließlich nur der ‚Arbeitgeber‘ zum Ziel des Spieles kommt und ein fettes Kissen mit Geld erhält. Alle anderen bekamen am Ende des Spiels ein echtes Los mit der Chance, 25.000 Euro zu gewinnen. Denn: dies ist die einzige Möglichkeit, in dieser Gesellschaft reich zu werden. An dem Spiel beteiligten sich sehr viele PassantInnen! Manchmal waren bis zu 50 Menschen um das Geschehen, die nicht aus der Linken zuzuordnen waren.“ Leider war das Anliegen dann doch nicht so gut vermittelbar. Damals hatten die Antifaschisten ihr Plakat zwar bereits ahnungsvoll mit dem Zonen-Sandmännchen verziert, konnten es sich dann aber doch nicht verkneifen, „Viva la revolution“ darunter zu schreiben. Inzwischen ist man weiter und weiß, daß man sich vom linken Stallgeruch befreien muß, wenn man Signalwirkung auf breite Bevölkerungskreise haben will. Am 09.07.2004 hat die gleiche Antifa auf der Mondiali Antirazzisti, dem Treffpunkt linker Fußballer, mit Genossen aus halb Europa einen viel zündenderen Spruch nicht etwa hergesagt, sondern gesungen: „Viva, viva Palästina, Initfada Libertà!“.

(via 118)


Am 30.01.2010 ist eine Studierendendemo in Frankfurt, mit ausnahmsweise sogar mal recht erträglichem Aufruf. Karten gibts vermutlich bei eurem Asta. Zur Dokumentation der Aufruf des sozialrevolutionären Bündnisses:

Alles für Alle! – Für die soziale Revolution!

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Für den 30.01.10 ruft das Protestplenum Frankfurt zu einer bundesweiten Demonstration unter dem Motto „Die Uni gehört allen – Unser Leben in unsere Hände!“ auf. Auch das sozialrevolutionäre & antinationale Krisen-Bündnis Frankfurt ruft zur Beteiligung an der Demonstration auf.

Denn nicht nur im Bildungswesen, an Schulen, Hochschulen und Kitas ergreifen die Menschen in den letzten Jahren die Initiative, gehen auf die Straße oder besetzen Gebäude, um gegen die von ihnen als bedrückend empfundenen Verhältnisse anzukämpfen. Auch Auszubildende, Hartz IV-Empfänger_innen, Arbeiter_innen, Umweltschützer_innen und Migrant_innen kämpfen gegen das Fortbestehen einer Welt, die vor allem Verlierer_innen kennt.

Oftmals bleiben diese Kämpfe in ihren Forderungen und Aktionen aber in der Logik des Kapitals gefangen. So lassen sich viele Forderungen der Studierenden im aktuellen Bildungsprotest als Belehrung der Herrschenden lesen. Diese zielt häufig nur darauf, eine „bessere“ Form, wie die Ware Arbeitskraft noch effizienter für den Standort Deutschland ausgebildet werden könne, einzufordern. Und auch in den Arbeitskämpfen wird oftmals betont, dass man als Arbeiter_in doch im gleichen Boot sitze wie die Kapitalist_innen. In dieser Logik erscheinen auch Lohnkürzungen, um wenigstens den Arbeitsplatz zu erhalten, als angemessen.

Auf diese Art zu denken und zu „kämpfen“ werden wir uns nicht einlassen!

Wir wollen die Abschaffung der Lohnarbeit und nicht nur höhere Löhne. Eine von Kapitalinteressen und Herrschaft freie Bildung, Forschung und Lehre und nicht nur eine kostenlose Ausbildung. Eine Stadt, die für mehr als nur zum arbeiten und konsumieren da ist. Eine Gesundheitsfürsorge, die sich am Wohlergehen und den Bedürfnissen der Menschen ausrichtet und nicht an deren Produktivität und Verwertbarkeit.

Denn, dass ein gutes Leben für alle möglich ist, zeigt bereits der Widerspruch von prall gefüllten Warenhäusern, Lagerräumen, Apotheken und den zahllosen Hungernden, Leidenden und Kranken dieser Welt.

Die Veränderung der bestehenden Verhältnisse und die Ausrichtung der Welt am Wohl der Menschen wird sich sicher nicht durch Appelle an „Vater Staat“ oder die „Segnungen“ des Marktes erreichen lassen.

Der Zurichtung für den Standort und dem Ausschluss aus gesellschaftlichen Prozessen haben wir den solidarischen Kampf um Selbstbestimmung und Aneignung entgegen zu setzen – überall dort, wo er geführt werden muss und immer mit der Perspektive auf eine ganz andere Wirklichkeit, jenseits von staatlichen und ideologischen Zwangskollektiven und den Sachzwängen einer kapitalistisch organisierten Wirtschaft.
Unser Leben in unsere Hände!
Darum: Für die soziale Revolution!

Beteiligt euch an der bundesweiten Studiedemo am 30.01.10.

14 Uhr – Bockenheimer Warte

Kampangenseite

Mobilisierungsvideo Demonstration Bildungsstreik Frankfurt am Main „Die Uni gehört allen“ from memo perez on Vimeo.